„Mobilität ist eine Voraussetzung für urbane Lebensqualität“

Future Mobility Summit 2019 in Berlin
Future Mobility Summit 2019 in Berlin

Voraussichtliche Lesedauer: 3 Minuten

Auf dem EUREF-Campus in Berlin werden die CO2-Klimaziele der Bundesregierung für das Jahr 2050 bereits seit 2014 erfüllt. Das Stadtquartier zeigt schon heute, wie Energie- und Mobilitätswende zusammengedacht und umgesetzt werden können – der ideale Veranstaltungsort also für den Future Mobility Summit 2019. Hier diskutierten Expertinnen und Experten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zusammen mit rund 1500 Gästen, wie die Mobilität der Zukunft aussieht und – am wichtigsten – welche Maßnahmen die Weichen stellen für eine sichere, effiziente und damit auch nachhaltige Mobilität.

Mobilitätsmix und Rückgang des Autoverkehrs in Hamburg

Zum Auftakt der Konferenz zeichnete der Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, Dr. Peter Tschentscher, ein positives Bild, wie die Stadt täglich sechs Millionen Wege ermöglicht, dass der Modal Split, also ein Mix aus verschiedenen Mobilitätslösungen – vom Fahrrad, über die S- und U-Bahn bis hin zu Bussen und on-demand Angeboten – bereits gut funktioniert und ein allgemeiner Rückgang des Autoverkehrs zu verzeichnen ist. In Zukunft setzt die Stadt auf den Schnellbahnausbau und den 5-Minuten-Takt für einen zukunftsfähigen öffentlichen Nahverkehr. 45 sogenannte switchh-Punkte an U- und S-Bahnen und in Wohngebieten bieten den Bürgerinnen bereits heute Zugang zu verschiedenen Mobilitätsangeboten, einer Kombination aus Bus, Bahn, Car-Sharing und Leihrädern. Deren Zahl soll bis Ende des Jahres auf 54 erhöht werden.

Der Schiene gehört die Zukunft auch und vor allen Dingen, wenn es um eine klimafreundliche Mobilität geht, denn bereits 90 Prozent aller Züge der Deutschen Bahn werden elektrisch betrieben, dies betonte Ronald Pofalla, Vorstand Infrastruktur bei der Deutschen Bahn AG, in seiner Keynote. Das Ziel der digitalisierten Schiene ist es, bis 2030 eine Verdopplung der Fahrgäste im Fernverkehr zu erreichen, d.h. mehr Kapazität, Effizienz und Zuverlässigkeit. Dafür ist es unabdingbar, nicht nur den Streckenausbau voranzutreiben, sondern vor allem auf den Ausbau des bereits bestehenden Systems zu setzen, um dort mehr Verkehr zu bewältigen.

Klimaschutz durch E-Mobilität und darüber hinaus

In der Podiumsdiskussion zum Thema „Klimaschutz und Verkehr“ wurde dagegen etwas kontroverser argumentiert. Sylvia Kotting-Uhl, Vorsitzende des Umweltausschusses des Bundestages, und Frank Sitta, stellvertretender Fraktionsvize der FDP, hatten beispielsweise grundverschiedene Auffassungen darüber, ob es Aufgabe der Politik ist, durch Regulierungen den Klimaschutz zu fördern und diesen eben nicht der Marktwirtschaft zu überlassen, oder sich eher einseitig auf Elektromobilität zu konzentrieren. Allgemein sorgte das Thema E-Mobilität für viel Diskussionsstoff und die Teilnehmerinnen verblieben auch in den verschiedenen anderen Panels uneinig darüber, ob die Förderung von E-Mobilität Vorrang gegenüber anderen Technologien haben soll. Augenscheinlich präsent und erlebbar waren die E-Autos auf dem Campus allemal und sogar Testfahrten konnten die Besucherinnen unternehmen. Auch Fahrräder und Scooter standen bereit und luden ein, sie auf dem Campus auszuprobieren.

Vier Thesen zur Künstlichen Intelligenz in der Mobilität

Neben vielen spannenden Start-up Pitches und Panel Sessions zu neuen Kooperationen, regulatorischen Rahmenbedingungen und städteübergreifenden Mobilitätskonzepten stand auch das Thema Künstliche Intelligenz im Fokus. Dr. Mirko Knaak von der Ingenieursgesellschaft Auto und Verkehr diskutierte dazu mit Vertretern aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft auf einem gemeinsamen Panel. Seine vier Thesen lauteten: KI kann den Ressourcenverbrauch senken, um mit der geringstmöglichen Anzahl an Fahrzeugen eine maximale Mobilität zu erreichen. Safety first gilt auch beim Einsatz von KI und Daten sind der Schlüssel. Diese sind schon vorhanden, aber wem sie gehören, muss noch geklärt werden. Hierfür sieht er die Politik in der Pflicht, Regulierungen zu schaffen. Denn, und so lautete seine vierte These, Wettbewerbsfähigkeit erfordert Rahmenbedingungen.

Autonome Fahren war somit gleich Stichwort der Stunde und die gerne gestellte Fragen, ab wann welche Automatisierungsstufe auf unseren Straßen zu erwarten ist. Keiner wagte es allerdings sich auf eine Prognose festzusetzen. Hochautomatisierte Fahrzeuge konnten sich dagegen alle in sehr naher Zukunft in begrenzten Gebieten oder in der Logistik auf dezidierten Hub-zu-Hub Strecken oder Autobahnen vorstellen, bei der Last Mile wird es allerdings noch länger Auslieferungen mit menschlichen Fahrern geben.

Was der Future Mobility Summit 2019 vor allem gezeigt hat, ist die Notwendigkeit, Mobilitätskonzepte übergreifend zu denken und der Appell an die Politik, die regulatorischen Rahmenbedingungen zu schaffen. Regine Günther, Senatorin im Berliner Senat betonte beim Abschlussempfang am Dienstag im Roten Rathaus, dass Mobilität gleich nach Wohnen und Bildung in der Wichtigkeit ganz oben steht und Dr. Peter Tschentscher brachte es in seiner Keynote ganz ähnlich auf den Punkt: „Mobilität ist eine Voraussetzung für urbane Lebensqualität.“

Sind Sie auf der Suche nach einer effizienten, nachhaltigen und sicheren Mobilitätslösung für Ihre Stadt? Sprechen Sie gerne unsere Experten Wolfgang Pelousek und Andreas Schomborg an und vernetzen sich mit Ihnen auf LinkedIn.

Ähnliche Artikel:

Mobilität und Digitalisierung

Verkehrsplanung und -simulation der nächsten Generation