On-Demand-Angebot als Teil der Mobilitätslösung bei den Verkehrsbetrieben Zürich (VBZ)

PTV MaaS Modeller im Einsatz bei den Verkehrsbetrieben Zürich.

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Die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) versorgen die Menschen der Stadt Zürich und der umliegenden Regionen mit umweltfreundlichem und preiswertem öffentlichen Nahverkehr – 365 Tagen im Jahr, mindestens 20 Stunden am Tag. Um die Qualität des Angebots hoch zu halten, arbeitet die VBZ an Möglichkeiten, den Betrieb ressourcenschonend und zukunftsgerichtet zu erweitern. In realen Pilotversuchen sollen den Kunden Berührungsängste genommen und wichtige Erkenntnisse für die Entwicklung neuer Ideen und Angebote gewonnen werden. Im April 2018 entschieden sich die VBZ, die Auswirkungen einer Integration von On-Demand-Angeboten in den öffentlichen Nahverkehr zu überprüfen.

DIE AUFGABENSTELLUNG

Seit Jahren nutzen die Verkehrsbetriebe für ihre Angebotsplanung ein Viseva-Nachfragemodell in PTV Visum. Für die Überprüfung des potenziellens On-Demand-Services wurde dieses durch das PTV-Professional Services Team um ein intermodales Mobility-as-a-Service (MaaS)-Angebot ergänzt. Silvan Weber, Projektleiter Marktentwicklung bei den VBZ, spricht über die Herausforderungen an der Aufgabenstellung: „Als Betreiber des öffentlichen Nahverkehrs ist für uns entscheidend, dass ein potenzieller On-Demand-Service möglichst tief in den öffentlichen Verkehr integriert werden kann. Ein neuer Dienst sollte sich nahtlos in das bestehende Nahverkehrsangebot einfügen, das heißt es derart ergänzen, dass für den Nutzer Vorteile entstehen.“ Denkbare wäre die Unterstützung des konventionellen ÖPNV durch einen zusätzlichen On-Demand-Service außerhalb des Stadtzentrums und der Stoßzeiten, beispielsweise zu Randzeiten. Zum Auftragsumfang zählte deshalb die Untersuchung zweier Szenarien mit folgenden Parametern:

Szenario „Miniflotte“:

  • Bedienzeit: 20h-24h
  • 5 Fahrzeuge

Szenario „Optiflotte“:

  • Bedienzeit: 20h-24h
  • 7 Fahrzeug

PLANUNG UND BEWERTUNG DER NACHFRAGE UND DES ANGEBOTS DER ON-DEMAND-LÖSUNG FÜR ZÜRICH

Die Prüfung beschränkte sich im ersten Schritt auf ein ausgewähltes Bediengebiet, in dem die bidirektionale Wechselwirkung zwischen der räumlichen Verteilung der On-Demand-Nachfrage und der Angebotsqualität untersucht wurde (beispielsweise: Wie sehen die Ergebnisse aus, wenn das Dienstleistungsangebot des On-Demand- Services eine so große Nachfrage erzeugt, dass die Kapazitäten der Flotte diese nicht auffangen können?). On-Demand Mobilität gilt dann als potenziell wirtschaftlich, wenn es in der Qualität so überzeugend ist, dass eine maximale Nachfrage generiert wird und die zur Verfügung gestellte Flotte damit maximal ausgelastet ist. Dabei soll der Prozentsatz an unbedienten Anfragen so gering wie möglich gehalten werden. Um für die Verkehrsbetriebe Zürich das System mit den besten Eckdaten zu ermitteln, nutzte das PTV-Team den innovativen Algorithmus des PTV MaaS Modellers, der sich iterativ der optimalen Lösung annähert.

DAS ERGEBNIS

In nur wenigen Monaten wurde dem Auftraggeber ein Modell und die dazugehörige Studie zu seiner Verwendung überreicht. „Unser Ziel war es, die Fachabteilung der VBZ mit diesem Modell zu befähigen, eigenständig Untersuchungen und weitere Studien durchführen zu können, um fundierte Entscheidungen für den ÖPNV in Zürich zu treffen“, erklärt Dr. Petr Senk, leitender Projektmanager der PTV, beim Projektabschluss. Die mit dem PTV MaaS Modeller gewonnenen Ergebnisse geben Aufschluss über den Zusammenhang von Flottengröße, Bediengebiet und Servicequalität. Für das untersuchte Gebiet in Zürich wurde deutlich, dass ein zusätzlicher On-Demand-Service vor allem dann attraktiv ist, wenn er zu einem ähnlichen Preis wie der herkömmliche ÖPNV im Züricher Stadtzentrum operiert. Ein selbsttragender Betrieb ist mit der heutigen Kostenstruktur und der zugrunde gelegten Tarifstruktur nicht möglich. Es zeigt sich jedoch, dass im Feinerschließungsbereich in Zukunft mit automatisierten Fahrzeugen ein deutlicher Sprung in der Angebotsqualität bei vergleichbarem Kostendeckungsgrad erwartet werden kann. Christoph Baur, Mobility Analyst bei den VBZ, hebt den Nutzen der Studie hervor: „Mit Hilfe des PTV MaaS Modellers und auf Grundlage der gewonnen Erkenntnisse wurde unsere Annahme bestätigt, dass On-Demand-Services und konventionelle ÖV-Angebote sich nicht zwingend kannibalisieren, sondern sich vielmehr gegenseitig ergänzen und so die Attraktivität und Mobilität in unserer Stadt erhöhen. Wir haben das Potenzial künftiger On-Demand-Services für uns erkannt und besitzen nun ein Werkzeug um dies auch in unsere künftige Planung einfliessen zu lassen.“ Projektleiter Silvan Weber ergänzt: „Aus diesen Gründen brauchen wir jetzt einen realen Pilotversuch in der Praxis, um diese Annahmen zu überprüfen und die realen Herausforderungen kennen zu lernen. Die Kennzahlen dieser Untersuchung können wir dann wiederum in der verkehrsplanerischen Modellierung berücksichtigen.“

Den Referenzbericht als PDF herunterladen: PTV MaaS Modeller im Einsatz bei den Verkehrsbetrieben Zürich