Fluch und Segen – ADAS und automatisiertes Fahren

Alfred Eckert, Head of Advanced Technology bei Continental, eröffente das IPG Open House 2018 mit der Key Note „ADAS and Automated Driving Functionality – Blessing and Curse“.

Fahrerassistenzsysteme sollen den Vorgang des Fahrens unterstützen, ihn leichter machen sowie den Fahrer entlasten. Das diesjährige Open House der IPG Automotive eröffnete Alfred Eckert, Head of Advanced Technology bei Continental, mit einer Key Note, die aufzeigte, welchen Fluch und welchen Segen diese Systeme gebracht haben.

Ein kleiner Ausflug zu den Anfängen von Fahrerassistenzsystemen

Sogenannte Advanced Driver Assistance Systems (ADAS) kamen in der Geschichte der mobilen Fortbewegung früh zum Einsatz. Bereits 1865 schrieb der „Red Flag Act“ in Großbritannien und Irland vor, dass jedes Automobil mit zwei Personen bemannt sein und vor dem Gefährt eine dritte Person mit einer roten Flagge (red flag) vorneweg schreiten musste. Das diente dem Schutz der anderen „Verkehrsteilnehmer“, sprich, es war zum Schutz der Umwelt, nicht der Insassen.

Ab 1930 wurden Crash-Demos populär. Im Gegensatz zu den heutigen Crash-Tests wurde das Fahrzeug jedoch von einer realen Person gegen eine Wand gefahren. Selbst bei niedrigen Geschwindigkeiten wurde der Fahrer damals z.B. aufgrund von fehlenden Sicherheitsgurten bereits schwer verletzt da durch die Kraft des Aufpralls aus dem Auto geschleudert wurde (siehe Video. Quelle: youtube/Josh Baker). Diesen Tests ist es zu verdanken, dass die bis dahin eingesetzten Seilzugbremsen durch Hydraulikbremsen ersetzt wurden, die den Bremsvorgang besser dosierbar und damit wirkungsvoller machen. Dies Ansatz war revolutionär. Zum ersten Mal ging es auch um den Menschen im Wagen und nicht nur um den Schutz der umgebenden Personen.

ADAS und Verkehrssicherheit

2017 kamen 3.177 Menschen bei Verkehrsunfällen in Deutschland ums Leben. (Quelle: Statistisches Bundesamt)

ADAS ist unmittelbar mit dem Thema Verkehrssicherheit verknüpft. Ja, Fahrerassistenzsysteme sollen den Fahrervorgang unterstützen. Ein großer Teil davon ist jedoch an Sicherheitsaspekte gekoppelt. Viele der Systeme helfen dabei, die Sicherheit der Insassen, aber auch die des umgebenden Verkehrs zu wahren. Laut der World Health Organization kommen jährlich 1,25 Millionen Menschen bei Verkehrsunfällen weltweit ums Leben. In Deutschland waren es vergangenes Jahr knapp 3.177 (Quelle: Statistisches Bundesamt). Zum Vergleich: 1970 waren es an die 20.000. Auf den ersten Blick ist das eine Erfolgsgeschichte, die vor allem zurückzuführen ist auf die konsequente Umsetzung zweier Leitsätze:

 

  1. Gesetzliche Standards müssen definiert, umgesetzt und gelebt werden
  2. Passive und aktive Technologien müssen die Bemühungen durch Leistung und Performance unterstützen. (passive Sicherheit: Schutz der Insassen durch Gurte, Airbags, etc. aktive Sicherheit: ADAS-Systeme, wie beispielsweise Spurhalteassistent, Sensor-Technik und Stauassistenz)

Wie können ADAS-Systeme dabei helfen, die Anzahl der Verkehrstote zu verringern? Um erfolgreich zu sein, müssen Fahrerassistenzsysteme folgende drei Faktoren erfüllen:

  1. Das Auto muss in der dafür vorgesehenen Spur bleiben.
  2. Das Auto muss den vorgegebenen Sicherheitsabstand einhalten.
  3. In einem Manöver muss das Auto stabil bleiben.

Letztlich führt jede neue ADA Funktion dazu, dass der Fahrer im Fahrablauf immer weniger in Aktion tritt und das Fahrzeug innerhalb der Situation selbstverantwortlich agiert. Es ist ein Paradigmenwechsel, vom „driver-focussed“ hin zum „passenger-focussed“-Ansatz, in dem das Auto die Verantwortung übernimmt. Ein gewisses Restrisiko muss dabei von der Gesellschaft akzeptiert und getragen werden. Eine Unmenge an Restriktionen und Richtlinien, die die Fahrerassistenzsysteme erfüllen müssen, verzögert den Prozess, fördert jedoch die gesellschaftliche Akzeptanz.

Ein solides Fundament an Tests fördert das Vertrauen in neue Technologien und schafft die Grundlage für eine erfolgreiche Abnahme. Reale und virtuelle Tests in der Definitions- und Entwicklungsphase führen dazu, dass neue Features mit dem höchst möglichen Reifegrad in Produktion gehen. Ein großer Anteil dieser Tests wird durch Simulation bestritten, da die mannigfaltige Variation der Anwendungsfälle in einem physischen Umfeld nicht realisierbar wäre.

Über das IPG Open HouseJedes Jahr zieht das Open House der IPG Automotive mehrere hundert Anwender der Software CarMaker, TruckMaker und MotorcycleMaker nach Deutschland. Einen Tag lang informieren sich die User über Neuerungen und Features der aktuellen Releases. Zum zweiten Mal waren wir zu Gast beim Open House der IPG Automotive. Während 2017 die neu entwickelte Schnittstelle zwischen PTV Vissim und CarMaker im Fokus stand, konnten wir in diesem Jahr zeigen, dass unsere Kernkompetenz der Verkehr ist. Auch solcher, der nicht reibungslos funktioniert, denn die Analyse von Unfallschwerpunkten und -ursachen sind entscheidend, wenn man eine IST-Situation verändern will.

An einem Nachmittag Verkehrssicherheit aus jeder Perspektive erleben!

Unfallursachen verstehen, heißt Verkehrssicherheit maximieren

Welchen Einfluss dabei beispielsweise Verkehrsmengen auf bekannte Unfallschwerpunkte haben, erfahren Sie im 1. PTV Verkehrssicherheitsforum am 19. April 2018 in Karlsruhe. Gemeinsam mit Experten dieses Themengebiets stellen Vertreter der Polizei und Stadtverwaltung anhand realer Beispiele vor, wie sie die Verkehrslage auf Ihren Straßen verbessern.

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