RiMEA e.V. & PTV Group – gemeinsam für mehr Evakuierungssicherheit

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Schneller und sicher evakuieren mit RiMEA und PTV Group

Feuer im Stadion! Die Fußball-Fans müssen so schnell wie möglich evakuiert werden. Damit das im Ernstfall auch wirklich gelingt, setzt sich der gemeinnützige Verein RiMEA für den Einsatz von mikroskopischen Simulationen in der Brandschutzplanung ein. Die PTV Group unterstützt ihn durch aktive Mitarbeit.

 

Die RiMEA-Richtlinie kommt voran

RiMEA – das steht für „Richtlinie für Mikroskopische Entfluchtungs-Analysen“. Eine solche Richtlinie erstellt und entwickelt der Verein und kann dabei auf das Know-How und die Unterstützung der PTV Group zurückgreifen. Bereits vor einiger Zeit haben wir eine Reihe von Testfällen in PTV Viswalk modelliert. Mit ihnen können Anwender eine erste Einschätzung einer Fußgängersimulationssoftware vornehmen. Diese Modelle werden zusammen mit einer Dokumentation der Auswertung als Teil der Installation von PTV Viswalk ausgeliefert. Gleichzeitig sind sie Bestandteil der RiMEA-Richtlinie.

Die letzte Version der Richtlinie stammt aus dem Jahre 2009. Seitdem hat sich einiges in Forschung und Praxis getan. Auf der RiMEA Vereinsversammlung am 10. März wurde deshalb die neue Version 3.0.0 verabschiedet. Sie steht erstmalig auch in englischer Sprache zur Verfügung. Der Verein kommt damit den stetig vorgetragenen Wünschen der internationalen Community der Brandschutz-Forscher und –Projektmanager entgegen und signalisiert Bereitschaft für einen intensivierten internationalen Austausch. In allen juristischen Fragen wird sich RiMEA weiterhin auf die 18 deutschsprachigen Varianten (Österreich, Schweiz und 16 deutsche Bundesländer) beschränken, RiMEA Arbeitssprache bleibt Deutsch.

Auch die weitere Formalisierung der Richtlinie in Richtung einer Norm macht Fortschritte: Für das Jahr 2017 kann mit der Publikation einer DIN SPEC gerechnet werden, deren Grundlage die RiMEA-Richtlinie ist.

Die Richtlinie wird regelmäßig fortgeschrieben. Vorschläge werden ab sofort entgegen genommen. Die Publikation der nächsten Version der Richtlinie ist für das Jahr 2019 vorgesehen.

PTV Bachelorstudenten mit RiMEA-Preis ausgezeichnet

Sebastian Reichert

Sebastian Reichert bei seinem Preisträgervortrag

Wie kann die Entfluchtung eines Festes mit Hilfe von georeferenzierten Smartphone-Daten verbessert werden? Das hat Sebastian Reichert unter Anleitung von Prof. Karl-Heinz Schweig (Westfälische Hochschule) und Andreas Schomborg (PTV Transport Consult GmbH) in seiner Bachelor-Arbeit untersucht. Für seine herausragende wissenschaftliche Leistung wurde er nun mit dem RiMEA-Förderpreis ausgezeichnet, der jährlich für eine Bachelor- oder Masterarbeit im Bereich des Brandschutzes und der Evakuierungssicherheit vergeben wird.

RiMEA Förderpreis

Der RiMEA-Award

Für seine Arbeit unter dem Titel „Erstellung eines Fußgängersimulationsmodells unter besonderer Berücksichtigung der Kalibrierung und Validierung anhand von georeferenzierten Smartphone-Daten am Beispiel Züri Fäscht“ konnte Sebastian Reichert auf Daten aufbauen, die von Mitarbeitern der ETH Zürich und des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) Kaiserslautern über die Auswertung von Smartphone Daten bei der vorigen Durchführung des Züri Fäschts in einer Aufsehen erregenden Arbeit gewonnen und für diese Arbeit freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurden. Sebastian Reichert hat die Eingabeparameter in die Fußgängersimulation PTV Viswalk mit Hilfe dieser Daten kalibriert und mit der kalibrierten Simulation Veränderungen, die die Ausrichter für die Durchführung 2016 planen – das Züri-Fäscht findet alle drei Jahre statt – simuliert. Auf diese Weise konnte er zeigen, dass sich Planungsarbeit und Real-Time-Daten weder gegenseitig ersetzen lassen noch gar ausschließen, sondern dass gerade im Wechselspiel ein Mehrwert entsteht. Wir gratulieren Sebastian Reichert ganz herzlich zu diesem Erfolg und bedanken uns  bei der ETH Zürich und der Stadtpolizei Zürich, Fachstelle Crowd Management für die zur Verfügung gestellten Daten und die freundliche Zusammenarbeit sowie dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), das die Arbeit über das Forschungsprojekt BaSiGo förderte.

Henrieke Benner

Henrieke Benner

Das ist bereits das zweite Mal, dass ein PTV-Bachelorstudent mit dem RiMEA-Förderpreis ausgezeichnet wurde. 2015 erhielt die Studentin des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) Henrieke Benner die Auszeichnung. Sie zog für ihre Bachelorarbeit empirische Daten zur Fußgängerbewegung heran, die im Rahmen des ebenfalls vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten  Forschungsprojektes Hermes vom Forschungszentrum Jülich und den Universitäten Köln und Wuppertal erhoben wurden, um PTV Viswalk zu kalibrieren. Betreut wurde ihre Arbeit von Privatdozentin Dr. Gudrun Thäter (KIT) und Dr. Tobias Kretz (PTV Group). Auch Henrieke Benner möchten wir ganz herzlich gratulieren!

Beide Preisträger haben ihre Arbeiten bereits beim deutschsprachigen Anwenderseminar der PTV im Oktober 2015 in der erstmals durchgeführten akademischen Posterausstellung präsentiert.

Fachlicher Austausch

Neben der Vereinsversammlung veranstaltet der RiMEA e.V. jährlich einen Fach-Workshop an wechselnden Orten. Wir freuen uns, die Workshop-Teilnehmer am 17. November 2016 in unserem Haus in Karlsruhe begrüßen zu dürfen. Hierzu sind auch Nicht-Mitglieder eingeladen.

Über RiMEA e.V.

RiMEA e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der den Einsatz mikroskopischer Simulationen in der Brandschutzplanung fördert. Dazu wirkt er an der  Entwicklung von Normen und Richtlinien mit, fördert und präsentiert wissenschaftliche Forschung aus den Bereichen Brandschutz und Evakuierungssicherheit und organisiert Fortbildungen und Fach-Workshops.

Weiterführende Literatur und Links

Blanke, U., Troster, G., Franke, T., & Lukowicz, P. (2014, April). Capturing crowd dynamics at large scale events using participatory gps-localization. In Intelligent Sensors, Sensor Networks and Information Processing (ISSNIP), 2014 IEEE Ninth International Conference on (pp. 1-7). IEEE.

Blanke, U., Guldener, R., Feese, S., & Tröster, G. (2014, October). Crowdsourced pedestrian map construction for short-term city-scale events. In Proceedings of the First International Conference on IoT in Urban Space (pp. 25-31). ICST (Institute for Computer Sciences, Social-Informatics and Telecommunications Engineering).

antavi – Aktivitätserkennung mit Smartphones. Ausgründung der ETHZ, die u.a. auf den Erkenntnissen des Züri-Fäscht-Projektes beruht.

Gawenda, M. (2015, Dezember). Sicherheitsforschungsprogramm der Bundesregierung Hermes: Evakuierungsassistent für den Krisenfall bei Großveranstaltungen. In Event Partner.

Klüpfel, H., Seyfried, A., Holl, S., Boltes, M., Chraibi, M., Kemloh, U., Portz, A., Liddle, J., Rupprecht, T., Winkens, A., Klingsch, W., Eilhardt, C., Nowak, S., Schadschneider, A., Kretz, T. & Krabbe, M. (2010). HERMES–evacuation assistant for arenas. Future Security.

Schomborg, A., Nökel, K., & Seyfried, A. (2011). Evacuation assistance for a sports arena using a macroscopic network model. In Pedestrian and Evacuation Dynamics (pp. 389-398). Springer US.

Zhang, J., Klingsch, W., & Seyfried, A. (2012, December). High precision analysis of unidirectional pedestrian flow within the Hermes project. In The Fifth Performance-based Fire Protection and Fire Protection Engineering Seminars. Guangzhou, China.

Online-Datenbank mit Ergebnissen der Hermes-Experimente auf den Internet-Seiten der Universität Wuppertal.

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