5 Verkehrsmittel mit jeweils 200 Personen – FLOW of people

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200 Personen passieren auf unterschiedliche Weise eine Ampel

Seit Frühjahr 2015 beteiligt sich die PTV AG am Forschungsprojekt FLOW – „Furthering less congestion by creating opportunities for more walking and cycling“ (sinngemäß: „Durch mehr Gelegenheiten zum zu Fuß gehen und Radfahren auf die Reduktion von Stau hinwirken“). Das Projekt hat es sich zum Ziel gesetzt zu erforschen und aufzuzeigen, wie mit Maßnahmen für den Fuß- und Radverkehr innerstädtischer Stau – auch Stau des motorisierten Verkehrs – reduziert werden kann.

Aus mehrerlei Gründen mag dieses Ziel schwierig klingen: zum einen lassen die erreichbare Höchstgeschwindigkeit, das Beschleunigungsvermögen und die Flexibilität des PKW diesen allen anderen Verkehrsmitteln überlegen erscheinen. Zum anderen hat die Vorstellung vom Nullsummenspiel – was hier gegeben wird, muss dort genommen werden – eine große intuitive Überzeugungskraft, größer als mitunter gerechtfertigt. Und schließlich versperrt ein identitätsbasiertes Denken („ich Autofahrer“, „wir Radfahrer“, „die Fußgänger“) nicht selten den Blick darauf, wie einfach es möglich ist, sich für eine andere Art der Fortbewegung zu entscheiden, wenn es entsprechende Angebote gibt.

Beim Nachdenken über das Ziel von FLOW gelangt man schnell zu netzweiten Verlagerungseffekten, der zeitlichen Elastizität der Nachfrage und ähnlichen, recht komplexen Phänomenen. Wir haben uns dann die Frage gestellt, wie man die Zielsetzung möglichst einfach und anschaulich motivieren und darstellen kann. Ergebnis war diese Animation einer Simulation mit PTV Vissim und Viswalk, in der je 200 Personen sich gleichzeitig in Bewegung setzen, um auf je gleich breiten Strecken (3,50 m) einen Querschnitt zu überqueren.

Je 200 Personen passieren auf unterschiedliche Weise eine Ampel. Für die Simulation wurden als Eingaben durchweg typische Werte für Wunschgeschwindigkeiten, Beschleunigungen, Belegungsgrad etc. verwendet. Auf YouTube finden Sie auch eine Version in Echtzeit.

Optisch erinnert das Video sicherlich an zahlreiche Fotografien, die mit ähnlicher Motivation angefertigt wurden, nämlich den stark unterschiedlichen Platzbedarf einer je identischen Anzahl Personen als (Mit-)Fahrer in PKW, einer Straßenbahn oder als Fußgänger oder Radfahrer darzustellen. Dieses Video zeigt jedoch zusätzlich, wie sich dieser unterschiedliche Platzbedarf in Kombination mit den unterschiedlichen Höchstgeschwindigkeiten und Beschleunigungsvermögen auf den Fluss und damit die Dauer bis zum Abschluss des Vorganges auswirkt. Die Zahlen, die sich für den benötigten Platz und die benötigte Zeit ergeben, können sicherlich leicht überschlägig ausgerechnet werden, wenn man die grundlegenden leicht nachzuschlagenden Kennzahlen kennt. Die durch das Video vermittelten Informationen sind daher sicherlich nicht neu. Dennoch ist eine solche Animation eindrücklicher und im besten Sinne „merkwürdiger“ als eine Tabelle mit Zahlen, die wir Ihnen allerdings auch nicht vorenthalten wollen und die Sie deswegen unter dem Beitrag finden.

Es wird auf diese Weise manifest, wie der hohe Platzbedarf einer Person im PKW in der Verdichtung eines urbanen Raums dazu führt, dass die genannten Stärken des PKW nicht mehr zum Tragen kommen und die Vermutung, dass die Fähigkeit zur hohen Geschwindigkeit auch eine – im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln – geringe Reisezeit impliziert, nicht mehr notwendigerweise zutreffen muss.

Man kann auf diese Erkenntnis mit zwei Strategien reagieren: Erstens, indem dem PKW-Verkehr mehr städtischer Raum eingeräumt wird. Dies impliziert allerdings, dass die Dichte anderer städtischer Funktionen, welche zunehmend als – in Abgrenzung zu Verkehrsflächen – die eigentlichen Urbanität definierenden erachtet werden, reduziert wird.

Beispiele für diese Strategie lassen sich viele finden. Dabei kommen einem vielleicht zuerst Bilder von Stadtautobahnen mit sechs, acht oder mehr Fahrstreifen in den Sinn, wie man sie in einigen Metropolen finden kann. Ein anderes Beispiel ist aber – obwohl viel kleiner – ob seiner Ironie viel eindrücklicher und bietet sich im Jahr des 130. Jubiläums der Erfindung des Automobils an, zumal im Blog einer in Karlsruhe ansässigen Firma: Carl Benz wurde 1844 in Mühlburg (heute ein Stadtteil von Karlsruhe) geboren und meldete 1886 als erster Mensch eine „pferdelose Kutsche“ oder auch „Fahrrad mit Petroleummotor“ zum Patent an. Da er in seiner Kindheit sehr oft umzog, ging das Wissen um sein Geburtshaus verloren. Als der Standort Rheinstraße 22 im Jahre 2012 rekonstruiert werden konnte, stellte man fest, dass das Geburtshaus des Autoerfinders Ende der 1950er Jahre abgerissen worden war, um Platz für die Verbreiterung der Rheinstraße schaffen.

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An der Stelle des Geburtshauses von Carl Benz in Karlsruhe befindet sich heute ein Parkplatz. Ein Stellplatz erinnert als Denkmal „Ewiger Parkplatz“ an den Autoerfinder.

Die zweite, konträre Strategie ist, im städtischen Verkehr auf die anderen Verkehrsträger zu setzen, die weniger Platzbedarf haben und auf diese Weise den Stau, auch den Stau der Automobile, zu reduzieren, womit wir wieder beim FLOW-Projekt angelangt wären.

Im FLOW-Projekt wirken Städte mit, die an Projekten im Sinne FLOWs arbeiten, weiterhin Wissenschaftliche Institute und Universitäten, Interessensverbände, Mobilitäts- und Kommunikationsagenturen und technische Partner zu denen die PTV Group gehört. Aufgabe der PTV Group ist zum einen an der Entwicklung eines Verfahrens zur Bewertung von Rad-und Fußgängerverkehrsmaßnahmen mit besonderem Augenmerk auf Staureduktionspotentiale und zum anderen die Anforderungen aus den Projekten der Städte aufzugreifen und ihre Planungssoftware ggf. entsprechend zu erweitern. So wird es in PTV Visum 16 möglich sein Fahrradleihsysteme zu berücksichtigen.

Weitere Informationen

Zahlenwerte zum Video

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